Brasilien

Erste große Konzertreise nach Brasilien 1987

 

Diese erste internationale Konzertreise kam auf Anregung und Vermittlung des damaligen Landrats Dr. Georg Würmeling zustande und führte uns in den südlichsten Staat Brasiliens nach Rio Grande do Sul. Einer Gegend, in der sehr viele deutsche Auswanderer, vor allem aus dem Hunsrück, leben.

Start war am 1. April gegen 22.30 Uhr, weshalb wir mit einem Gottesdienst inclusive Reisesegen und einer formellen Verabschiedung am Rathauseck (mit Maßkrügen) Abschied von Villmar nehmen konnten.

Der Hinflug gestaltete sich über drei Etappen: Frankfurt, Rio, Sao Paulo nach Porto Alegre, was einigen der mitreisenden Damen körperlich sehr zu schaffen und unserem Orchesterarzt eine Menge Arbeit machte.

Um 13 Uhr Ortszeit am 02. 04. erreichten wir unser erstes Ziel Igrejinha, wo wir - wie an allen Orten - mit Transparenten und einem großen Menschenauflauf empfangen wurden und die erste Zuteilung zu den jeweiligen Gastfamilien stattfand, ein Ritual, das sich an jedem Ort wiederholte. Die Unterbringung reichte von einer Luxusherberge mit privatem Chauffeur bis zum Schlafplatz im Stile der Jahrhundertwende, herzlich war die Aufnahme bei allen. Die gut organisierte Unterbringung in Privatquartieren sorgte für direkte und individuelle Erkennt-nisse über Land und Leute, die natürlich bei gemeinsamen Unternehmungen intensiv ausgetauscht wurden.

 

 

 

In fünf Orten bezogen wir für je 1 - 2 Tage Quartier und gaben insgesamt 7 Konzerte, das größte in einer Sporthalle mit ca. 2500 Zuhörern, die Theo Speier alle in einer Riesen-polonaise marschieren ließ. Während der Rundreise lernten wir auch den Churrasco, den grünen Tee (Chimmaron, der aus einer Kürbisflasche gesaugt wird) und den Caipirinha kennen, letzteres sehr zum Leidwesen unseres Dirigenten Ludvik Jablonski. Touristischer Höhepunkt waren die abschließenden Tage in Rio de Janeiro. Das Hotel lag an der Avenida Atlantica, direkt an der Copacabana.

Alle Highlights wie Corcavado mit der Christusstatue, Zuckerhut und eine Samba Show machten diesen Aufenthalt unvergesslich. Beeindruckend waren auch die unmittelbar erlebte Inflation, auf den Geldscheinen war die 100 000 durch einen schlichten Stempel auf 100 geändert, die Preise änderten sich fast täglich, was zum Teil sehr preiswerte Einkäufe aber auch deutlich überhöhte Getränkerechnungen bedeutete. Musikalischer Abschluss war ein Konzert in einem exclusiven deutschen Club in Rio, wo wir gut bewacht vor einem elitären Publikum musizierten, mit bestem Blick auf die gegenüberliegenden Favelas, eine leicht surreale Szenerie. Auch der Höflichkeitsapplaus war nicht zu vergleichen mit den begeisterten Reaktionen der Landbevölkerung, denen wir wirklich ein Erlebnis aus der alten Heimat bescherten. Nach erlebnisreichen Wochen kehrten wir am 16. April zurück.